Die Klimabilanz eines Skitages

Warum die Anreise über die Zukunft des Wintersports entscheidet

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Die unsichtbare Spur im Schnee

Wer früh am Morgen die Skischuhe schließt, die kalte Bergluft einatmet und die erste Spur in den frisch präparierten Hang zieht, spürt sofort: Wintersport ist mehr als ein Hobby – es ist ein Gefühl. Ein Gefühl von Freiheit, Natur und Abenteuer.

Doch während viele vermuten, dass Schneekanonen, Pistenraupen oder moderne Liftanlagen die größten Klimatreiber des Skisports sind, zeichnen aktuelle Studien ein anderes Bild: Der entscheidende Faktor liegt nicht im Skigebiet – sondern auf dem Weg dorthin.

Die wahre Klimabilanz eines Skitages

SMehrere europäische Studien zeigen übereinstimmend: Rund 60–90 % der Emissionen eines Skiurlaubs entstehen durch die An- und Abreise.

Eine französische Analyse großer Skigebiete bestätigt das:
Ein Skitag verursacht im Durchschnitt 45–50 kg CO₂e pro Person, wobei mehr als die Hälfte allein auf die Anfahrt entfällt.

Der eigentliche Pistenbetrieb ist dagegen – verglichen mit vielen anderen Freizeitaktivitäten – erstaunlich effizient. Moderne Liftanlagen, Strom aus erneuerbaren Quellen und intelligente Schneesysteme zeigen bereits heute Wirkung und leisten ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft im Wintersport.

Der größte Hebel liegt eindeutig im Verkehr.

Warum die Anreise der entscheidende Klimahebel ist

Wenn wir Wintersport klimafreundlicher gestalten wollen, geht es weniger darum, auf den Sport zu verzichten – sondern darum, wie wir dorthin gelangen.

Studien zeigen:
60–90 % der Emissionen eines Skiurlaubs sind mobilitätsbedingt.

Das bedeutet:

  • Ein Skigebiet kann zu 100 % mit erneuerbarer Energie betrieben werden,

  • über hocheffiziente Beschneiungssysteme verfügen,

  • elektrische oder emissionsarme Pistenraupen einsetzen –

… und dennoch bleibt der Urlaub klimaschädlich, wenn die Mehrheit der Gäste mit dem Auto oder dem Flugzeug anreist.

Verkehrsmittel im Vergleich: Der Unterschied ist enorm

Für eine typische 800-km-Anreise in die Alpen ergibt sich folgende Klimabilanz:

  • Hochgeschwindigkeitszug (z. B. TGV): ca. 1,9 kg CO₂e pro Person

  • Intercity-Zug: ca. 4,7 kg CO₂e

  • Auto (4 Personen): ca. 43,5 kg CO₂e

  • Flugzeug: ca. 184 kg CO₂e

Der Zug ist damit bis zu 100-mal klimafreundlicher als ein Flug.

Viele Wintersportler:innen unterschätzen diesen Effekt – dabei liegt hier eine enorme Chance: Jeder Skiurlaub kann sofort deutlich klimafreundlicher werden – durch eine einzige Entscheidung.

Warum Kurztrips die Klimabilanz verschlechtern

Spontane Wochenendtrips sind verlockend – haben aber einen Haken:
Die Emissionen der Anreise verteilen sich auf sehr wenige Skitage.

Beispiel Autofahrt (43,5 kg CO₂e):

  • 2 Tage Skiurlaub → 21,75 kg CO₂e pro Skitag

  • 7 Tage Skiurlaub → 6,2 kg CO₂e pro Skitag

Je länger der Aufenthalt, desto besser die Klimabilanz.
Und ganz ehrlich: Eine Woche im Schnee schlägt jedes Wochenende.

Klimafreundliche Anreise im Profi-Wintersport

Auch im Spitzensport tut sich viel – und zwar mehr, als oft wahrgenommen wird.

Basierend auf Daten der International Ski and Snowboard Federation (FIS) entfallen im Durchschnitt rund 62,5 % der Emissionen eines Wettbewerbs (operative Emissionen ohne Fan-Anreise) auf die Reisen der Teilnehmenden.

Dazu zählen:

  • Athlet:innen

  • Teams & Betreuende

  • Medien

  • Freiwillige & Helfer:innen

Die International Ski and Snowboard Federation (FIS) hat darauf reagiert:

  • Seit der Saison 2024/2025 wird die Nordamerika-Tour zu einem zusammenhängenden Reiseblock gebündelt – weniger Flüge, weniger Transfers.

  • Events wie der Weltcup in Åre fördern Bahnreisen durch vergünstigte Tickets, Kooperationen und integrierte Mobilitätspakete.

  • Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2025 in Trondheim wurden keine öffentlichen Parkplätze am Veranstaltungsort angeboten. Über 300.000 Zuschauer:innen reisten mit dem Bus an, wobei die Shuttleflotten überwiegend aus Elektro- und Biogasbussen bestanden. Der akkreditierte Transport erfolgte mit Elektrobussen und Straßenbahnen. Zudem wurden Zufußgehen, Radfahren und Skifahren zum Veranstaltungsort aktiv gefördert.

  • Immer mehr Veranstalter setzen auf „walkable venues“ mit kurzen Wegen und reduzierter Verkehrsbelastung.

Der Profi-Wintersport geht damit beim Thema Mobilität sichtbar voran – und sendet ein starkes Signal an Fans und Freizeitsportler:innen.

Der Wintersport steht an einem Wendepunkt – aber an einem positiven.
Nicht der Schnee ist das Problem. Nicht die Pisten. Sondern die Art, wie wir dorthin kommen.

Zug statt Flugzeug, Carsharing oder voll besetzte Autos, längere Aufenthalte, Destinationen mit nachhaltiger Mobilität – und vor Ort einfach den Skibus nutzen. Niemand muss perfekt sein, um Wirkung zu erzielen.

Wer sich heute für eine klimafreundliche Anreise entscheidet, sorgt dafür, dass auch zukünftige Generationen die Magie eines Skitages erleben können: das Knirschen des Schnees, die klare Luft, die Freiheit zwischen den Gipfeln.

Und das Beste: Verbände, Profisportler:innen und Veranstalter gehen bereits voran.
Wenn alle gemeinsam handeln, kann der Wintersport zu einem echten Vorbild für nachhaltige Mobilität werden.

Quellen

ADEME / Compagnie des Alpes: Emissionsanalysen Wintertourismus 
Analysen französischer Skigebiete (Tignes, La Clusaz, Chamrousse) 
International Ski and Snowboard Federation (FIS) 
Europäische Tourismus- und Mobilitätsforschung 
SkiMag (2024): Emissionsanalysen professioneller Ski-Events